Wehrkirche Edlitz            

In Edlitz steht eine der interessantesten Wehrkirchen der Buckligen Welt. Von der in  der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erwähnten Kirche finden sich keine baulichen Reste. Beim Neubau der Kirche um das Jahr 1490 wurde der spätgotische Sakralbau mit wehrhaften Anlagen ausgestattet. Im Grundriss fast quadratisch mit vier kreuzgewölbten Jochen, die in der Mitte von einem mächtigen Pfeiler gestützt werden, ist das Kirchenschiff das beherrschende Bauelement. Der Glockenturm verschwindet fast hinter dem hohen Dach der Kirche. Von den Wehreinrichtungen sind heute noch vorhanden: Gusserker, Schießscharten, Wehrobergeschoß im Dachboden mit Blockkammer, ehemalige Zisterne unter dem Kirchenfußboden. Die letzte Außenrenovierung erfolgte im Jahre 1978. Der Innenraum der Kirche wurde zuletzt in den Jahren 1984 (Restaurierung von Hochaltar, Kanzel, Kreuzwegstationen und Heiligenfiguren) und 2003 (Neugestaltung des Volksaltares) renoviert. Im Herbst 2005 wurde die Kirche neu eingedeckt, nachdem bereits 2002 der Turm ein neues Dach bekommen hatte. Der Pfarrhof bildet eine Einheit mit dem Wehrkirchenhof. Der älteste erhaltene Teil ist durch ein Tor gekennzeichnet, das unabhängig vom Kirchhof einen Zugang ermöglicht hat. Eine kleine Steintafel, die in die Mauer über dem Tor eingelassen ist, trägt die Jahreszahl 1463 und in lateinischen Buchstaben den Namen Oswald. Weitere Jahreszahlen auf Gebäudeabschnitten weisen auf Erweiterungen und Erneuerungen in den Jahren 1595, 1661, 1672 und 1750 hin. Im Jahre 2010 wurde bei einer Großrenovierung der Innenhof gestaltet und der ehemalige Kuhstall in einen Pfarrsaal umgebaut. Rund um die Kirche findet man noch die Mauerreste der ehemaligen Kirchhofwehrmauern. 


Vor etwa drei Jahren haben sich verwilderte Tauben im Wehrobergeschoß der Pfarrkirche eingenistet. In den vielen Winkel und Löchern haben sie sich wohlgefühlt und vermehrt. Männer der katholischen. Männerbewegung und Helfer mit Kletterausrüstung haben seither alle Fenster, Schießscharten und Gerüstlöcher laufend mit Gittern, Netzen, Spießen und Ziegeln verschlossen. Dabei wurde berücksichtigt, dass Fluglöcher für die über den Sommer im Kirchendach lebenden 200 Fledermäuse erhalten blieben. Für die Besichtigung des Wehrobergeschoßes im Rahmen der Wehrkichenausstellung wurden die Stiegen und Holzwege jährlich gereinigt. Leider sind im heurigen Jahr - 2019 - die Fledermäuse nicht mehr eingezogen. Durch die Tauben und die Vertreibungsaktionen, durch den vermehrten Besuch des Wehrobergeschoßes, aber auch durch Veränderungen im Nahrungsangebot rund um die Kirche und des Ortes könnte der Verlust dieser gefährdeten Tierart eingetreten sein.

Karl Korntheuer

 

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